Vorteile von Kunststoffrohren

Flexibilität

Bei erdverlegten Leitungen wirken Lasten (Oberflächenlasten, Erdlasten, Verkehrslasten, etc.) sowie Setzungen des Erdreichs auf das Rohrsystem ein. Kunststoffrohre geben die dadurch auftretenden Punktlasten und Spannungen durch Verformung an das Erdreich weiter. Das Rohr liegt somit in einem nahezu spannungsfreien Zustand im Erdreich und ist keinen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Aus diesem Grund werden Kunststoffrohre auch als „biegeweiche“ Rohrsysteme bezeichnet. Im Gegensatz dazu müssen starre Rohrsysteme (z.B. Rohre aus Steinzeug, Beton, Guß, usw.) diese Spannungen in der Rohrwandung aufnehmen.

Verbindungstechnik und Dichtheit

Die Dichtheit der Leitungsnetze stellt eine wesentliche Anforderung der Netzbetreiber dar. Auf der einen Seite muss das Austreten der Medien aus dem Leitungsnetz, zum anderen soll das Eindringen von Fremdwasser in das Leitungssystem verhindert werden. Qualitativ hochwertige Kunststoffrohrsysteme bieten entsprechend hochwertige Dichtsysteme, die im drucklosen Bereich durch Stecksysteme und im druckbeaufschlagten Bereich in der Hauptsache durch Schweißverbindungen die erforderliche Langzeitdichtheit sicherstellen.

Lange Lebensdauer

Kunststoffrohre zeichnen sich durch eine sehr hohe Lebensdauer aus. Bei qualitativ hochwertigen Rohrsystemen aus PP, PE und PVC kann bei fachgerechter Verlege- und Bettungssituation gemäß ÖNORM EN 1610 und ÖNORM B 2503 bzw. ÖNORM B 5012 sowie bei entsprechenden Betriebsbedingungen von einer Lebensdauer von 100 Jahren und mehr ausgegangen werden. Damit sind Kunststoffrohrsysteme anderen Werkstoffen überlegen, welche im Laufe der Jahre durch Korrosion, Abrieb oder durch aggressive Abwässer Schaden nehmen können.

Hohe Abriebfestigkeit

Durch im Leitungssystem mitgeführten Sandfrachten, Streusplitt und andere Feststoffe kommt es zu einem mechanischen Abrieb an der Rohrinnenwand. Thermoplastische Werkstoffe zeichnen sich gegenüber Werkstoffen wie Beton, Steinzeug und GFK durch eine sehr hohe Abriebfestigkeit aus. Dieser Aspekt wirkt sich auch positiv auf die Lebensdauer der Rohrsysteme aus. Der Abrieb kann durch das sogenannte Darmstädter Verfahren ermittelt werden. Dabei wird in ein Rohrstück ein genormtes Kies-Wasser-Gemisch gefüllt und mindestens 200.000 Lastspiele (Wippentest) durchgeführt. Das Rohrstück wird dabei vor und nach der Prüfung vermessen. Daraus wird der Abrieb errechnet.

Chemische Beständigkeit

Kunststoffe generell haben eine sehr hohe chemische Beständigkeit gegen eine Vielzahl chemischer Substanzen. Im Rohrleitungsbau findet man diese Werkstoffe vor allem im industriellen Bereich, in der Hausabflusstechnik, in der chemischen Industrie sowie in der Abwassertechnik. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen Chemikalien und hohe Temperaturen ist dabei von besonderem Vorteil.
  PP PE PVC  
Wasser kalt + + +  
Wasser heiß + •¹) •¹)  
Säuren schwach + + +  
Säuren stark + +  
Säuren oxidierend  
Laugen schwach + + +  
Laugen stark + + +  
anorganische Salzlösung + + +  
Halogene  
aliphatische KW   + +  
aromatische KW  
chlorierte KW  

Alkohole;+;+;+
Ester;•;+;─
Ketone;•;+;─
Aldehyde;+;•;─
Amine;+;+;•
organische Säuren;•;+;•
Kraftstoffe;•;•;─
Mineralöl;+;+;•
Fette, Öle;+;•;•
  • + beständig
  • - unbeständig
  • • bedingt beständig
  • ¹) Die chemische Beständigkeit von PE und PVC Werkstoffen gegenüber „Wasser heiß“ ist grundsätzlich gegeben. Zu berücksichtigen ist jedoch die jeweilige Einsatztemperatur (nähere Details siehe ISO/TR 10358).

Korrosionssicherheit

Kunststoffe zeichnen sich gegenüber metallischen Werkstoffen durch Ihre Korrosionsbeständigkeit aus. Dieser Vorteil kommt sowohl bei erdverlegten Leitungen, bei freigeführten Leitungen als auch in der Haustechnik zum Tragen.

Hohe hydraulische Leistungsfähigkeit

Dank Ihrer glatten Rohrinnenwandung besitzen Kunststoffrohre sehr gute hydraulische Eigenschaften. Mitgeführte Frachten in Abwasser- Mischwasser- oder Oberflächenwasserkanälen finden an der glatten Oberfläche keine Anhaftungspunkte. So werden Inkrustationen weitgehend vermieden und der Reinigungsaufwand minimiert.

Geringes Gewicht

Kunststoffe sind nahezu allen anderen Werkstoffen (Guss, Steinzeug, Beton, etc.) in punkto Leichtigkeit bei weitem überlegen. Dank des geringen Gewichtes sind Transport und Verlegung von Kunststoffrohren wesentlich einfacher und wirtschaftlicher. Zum Beispiel kann auf den Einsatz von Hebegeräten bei Verlegung der Rohre (abhängig von der Rohrdimension) oft gänzlich verzichtet werden.
Material Gewicht [kg/m] (Mittelwerte)  
Kanalrohre DN 150 (DN/OD 160) DN 300 (DN/OD 315)
PVC SN4 2,90 11,00
PVC SN8 3,40 13,10
PP-ML SN8 3,50 14,10
PP-ML SN12 3,70 14,80
PE SN4 3,04 11,50
PESN8 3,75 14,33
GFK SN5000 - 11,30
GFK SN10000 4,50 17,00
Guss 27,70 64,40
Steinzeug Kl. 160 24,00 72,40
Steinzeug Kl. 240 - 100,00
Beton 36,00 190,00

Kostengünstige Verlegung

Die Verlegekosten sind bei der Betrachtung der Gesamtkosten einer Rohrleitung ein erheblicher Faktor. Auch in diesem Punkt können Kunststoffrohrsysteme Ihre Vorteile unter Beweis stellen. Mehrere Gründe sind dafür ausschlaggebend, dass Kunststoffrohre besonders wirtschaftlich zu verlegen sind:
  • Das geringe Gewicht verursacht geringe Transportkosten und einen geringeren Aufwand beim Handling
  • Die Herstellung der Steckmuffenverbindung kann im Regelfall händisch erfolgen – es ist kein spezielles Werkzeug dafür erforderlich
  • Kunststoffrohre können in größeren Längen gefertigt werden und je nach Werkstoff und Dimension auch zu großen Rollen aufgewickelt werden. Dies verringert die Anzahl der Verbindungsstellen und minimiert somit den Installationsaufwand.
  • Durch das umfangreiche Sortiment an Formstücken kann rasch auf Baustellengegebenheiten reagiert werden und somit Stehzeiten minimiert bzw. sogar verhindert werden.

Zugfeste Verbindung

Neben der bewährten Steckmuffenverbindung bieten Kunststoffrohre auch die Möglichkeit, einfach zugfeste Verbindungen herzstellen zu können. Zugfeste Verbindungen werden beispielsweise bei grabenlosen Verlegeverfahren wie z.B: Horizontal-Spülbohren, Berstling, etc. benötigt, oder bei Verlegung in steilem Gelände. Es gibt im Wesentlichen in Abhängigkeit des Rohrmaterials 3 gängige Verfahren:
  • Zugfeste Muffenverbindung mittels Elektromuffenschweißung (für Rohre aus PE)
  • Zugfeste Muffenverbindung mittels Heizelemente-Stumpf- oder Spiegelschweißung (für Rohre aus PE und PP)
  • Zugfeste Muffenverbindung mittels außenliegender Zugsicherung (z.B. für Rohre aus PVC)
 

Ideal für Sanierung von Rohrleitungen geeignet

Kunststoffrohre eignen sich ideal zur Sanierung von bestehenden Rohrleitungen, unabhängig aus welchem Werkstoff die zu sanierenden Rohrleitungen bestehen. Mehrere wesentliche Eigenschaften sind dafür ausschlaggebend:
  • Flexibilität: Kunststoffrohre können je nach Werkstoff und Dimension in großen Längen auf Rollen gewickelt und in bestehende Leitungen eingezogen werden. Es sind somit nur wenige Verbindungsstellen und bei grabenlosen Verlegeverfahren wenige Installationsgruben erforderlich. Dank seiner Flexibilität können sich Kunststoffrohrsysteme bei Bedarf an den vorgegebenen Rohrverlauf anpassen.
  • Festigkeit: Speziell für grabenlose Verlegeverfahren entwickelte Kunststoffrohre aus PE besitzen einen Schutzmantel, der das Medienrohr beim Einbau sicher vor Beschädigungen schützt.
  • Chemische Beständigkeit: Die Sanierung von Rohrleitungen ist vor allem dort erforderlich, wo aggressive Medien, saure Böden und daraus resultierend Korrosion die bestehenden Leitungen beschädigt haben. Kunststoffrohrsysteme bieten entsprechend hohe Beständigkeit gegen eben diese aggressiven Abwässer.
 

Bestens geeignet für grabenlose Verlegeverfahren

Spezielle Kunststoffrohre eignen sich in idealer Weise für den Einsatz grabenloser Verlegeverfahren (sandbettfreie Verlegung, Pflügen/Fräsen, Horizontal-Spülbohrverfahren, Langrohr-Relining und Berstlining). Dafür ausschlaggebend sind die Flexibilität, die zugfeste Verbindungstechnologie und die außerordentlich guten Werkstoffeigenschaften (hohe Resistenz gegenüber langsamem Risswachstum, sehr gute Widerstandsfähigkeit gegenüber Punktlasten und Abschürfungen). Film: Berstlining WV St. Gilgen Der Film im Auftrag von Pipelife Austria zeigt die Erneuerung einer Trinkwasserleitung aus Guss durch ein Kunststoffrohr aus PE 100-RC mit Schutzmantel. Die Verlegung erfolgt mittels Berstlining-Verfahren. Zunächst werden die einzelnen Rohre durch Heizelement-Stumpfschweißen zu einem Rohrstrang verbunden. Dann wird von der Maschinengrube aus ein Gestänge in die bestehende Altleitung eingeschoben. In der Zielgrube angekommen werden ein Berstkopf und ein Aufweitkopf montiert und daran der PE-Rohrstrang angehängt. Nun zieht das aus einzelnen Elementen zusammengesetzte Gestänge den Rohrstrang in das Bohrloch ein. Dabei wird das Gussrohr geborsten und die entstehenden Scherben werden in das umgebende Erdreich verdrängt. Zugleich wird der Durchmesser von ursprünglich 50 mm auf 90 mm erweitert. Der Schutzmantel aus Polypropylen (PP) schützt das Mediumrohr beim Einziehen vor den scharfen Kanten der Scherben. Die grabenlose Sanierung der Leitung erfolgte im Auftrag der Wasserversorgung St. Gilgen, die Rohre der Marke Aqualine RC Robust wurden von Pipelife Austria produziert, die Verlegung erfolgte durch die Quabus GmbH. >> Sehen Sie den Film dazu anFilm: Horizontal-Spülbohr-Verfahren WV Mittleres Burgenland Der Film im Auftrag von Pipelife Austria zeigt anschaulich die Verlegung einer Trinkwasserleitung aus Kunststoff unter einem Fluss hindurch (Herstellung eines Dükers) mittels Horizontal-Spülbohrverfahren. Zunächst werden die einzelnen Rohre aus PE 100-RC durch Heizelement-Stumpfschweißen miteinander verbunden. Im Bereich der Verbindung wird der Schutzmantel aus Polypropylen (PP) in der Breite des Schweißwulstes entfernt. Dann wird eine gesteuerte Pilotbohrung ausgeführt und der Bohrkanal mit einer Spüllösung offen gehalten. In der Zielgrube angekommen wird der Bohrkopf gegen Aufweitkopf, Drehgelenk und Ziehkopf getauscht. Nun wird der Rohrstrang in das Bohrloch eingezogen und zugleich der Durchmesser des Bohrkanals erweitert. Der Schutzmantel schützt das Mediumrohr beim Einziehen vor Kratzern und Riefen. Die grabenlose Verlegung erfolgte im Auftrag des Wasserverbandes Mittleres Burgenland, die Rohre der Marke Aqualine RC Robust wurden von Pipelife Austria produziert, die Verlegung erfolgte durch die STRABAG AG und RBS Rohrbau. >> Sehen Sie den Film dazu an

Vielfältiges Produktsortiment – für jeden Anwendungsfall

Die Palette der Kunststoffrohre umfasst ein sehr breites Spektrum. Neben den verschiedenen Rohstoffen (PP, PE, PVC) existieren auch mehrere Varianten des Rohrwandaufbaues.
  • Vollwandrohre (einschichtig und mehrschichtig): für alle Anwendungsfälle bei trinkwasser-und Abwasserleitungen
  • Strukturierte Rohre: für die Ableitung von Oberflächen-/Regenwässer
Ein umfangreiches Sortiment an Formstücken ermöglicht die Anpassung der Rohrleitung an praktisch jede Einbausituation.

Geringe Betriebskosten

Dank Ihrer glatten Rohrinnenwandung besitzen Kunststoffrohre sehr gute hydraulische Eigenschaften. So werden Inkrustationen weitgehend vermieden und der Reinigungsaufwand im Vergleich zu raueren Werkstoffen minimiert. Die Gesamtkosten im Netzbetrieb reduzieren sich somit bei Einsatz von Kunststoffrohrsystemen eindrucksvoll.

Geringer Energieeinsatz

Die Extrusion von Kunststoffrohren erfolgt je nach Werkstoff in einem Temperaturbereich von 190°C – 240°C. Somit ist ein wesentlich geringerer Energieaufwand zur Herstellung von Kunststoffrohren erforderlich als bei anderen Rohrwerkstoffen wie zum Beispiel Gusseisen oder Steinzeug. In weiterer Folge ist auch der Energiebedarf bei Transport und Handling aufgrund des geringeren Gewichtes bei Kunststoffrohrsystemen geringer.

Recyclingfähigkeit

Nach Ablauf der Nutzungsdauer von bis zu 100 Jahren und länger stellen Altrohre eine wertvolle Rohrstoffquelle dar. Im Bewusstsein Ihrer Verantwortung schufen Österreichs führende Kunststoffrohrhersteller vor mehr als 20 Jahren (1991) mit der Gründung des ÖAKR (Österreichischer Arbeitskreis Kunststoffrohrrecycling) ein Kundenservice mit europaweitem Vorbildcharakter – ein freiwilliges, flächendeckendes Sammelsystem für Altrohre, Formstücke und bei der Verlegung anfallende Rohrreste aus Kunststoff. Die ÖAKR-Mitglieder sehen es als Ihre Aufgabe an, deren Produkte nach Ablauf des Produktlebenszyklus durch die Recyklierung einem geschlossenen Werkstoffkreislauf zuzuführen. Somit ist von der Produktion über die Nutzung der Kunststoffrohre bis hin zur Wiederverwertung der wertvollen Grundrohstoffe ein besonders nachhaltiger Einsatz gewährleistet. Recycling von Kunststoffrohren trägt aktiv zur Ressourcenschonung und somit zur Reduzierung des Energieeinsatzes und der CO2-Belastung bei. Aus dem gewonnen Recyklat entstehen wiederum neue, langlebige Produkte, die in unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz kommen.

Nachhaltigkeit

Fachleute stellen Kunststoffrohren in punkto Nachhaltigkeit ein gutes Zeugnis aus. Verantwortlich dafür sind die lange Lebensdauer, die Sicherheit im Gebrauch, die Recycling-Fähigkeit, die ressourcenschonende Herstellung und vor allem die hohe Kosteneffizienz.
Zurück zum Seitenanfang